14. November 2010

FIGUGEGL

Gestern wurden wir zu unserem ersten Schweizer Käsefondue eingeladen, hurra! Ein sehr lieber ehemaliger Arbeitskollege von Peter hat uns zu sich nach Wädenswil (liegt etwas südlich von Zürich direkt am See) gebeten. Ganz, ganz lieben Dank, Uwe.
(FIGUGEGL = Fondü Isch Guet Und Giit Ä Gueti Luunä).

Wir sind die etwa 25 km mit dem Auto gefahren, was für einen von uns maximal ein bis zwei Glas Wein bedeutete, denn in der Schweiz gilt die 0,5 Promillegrenze, und wird möchten uns ja nicht gleich eine Busse einfangen.

Um 18 Uhr sollten wir schon da sein und haben neben Gastgeber Uwe noch 3 weitere Gäste kennengelernt, Eduard und Heinz und Sylvia.

Ich durfte nach Ankunft gleich bei Uwe in der Küche helfen und fleissig Käse rühren (immer schön in 8en und mit einem Kochlöffel - Schneebesen sind tabu, sie machen die Käsemasse grisselig). Die Käsemischung aus Greyezer, Emmentaler und Appenzeller wurde mit Muskat und Pfeffer sowie 4 dl (hier in der Schweiz wird in 100 ml = 1 dl gerechnet) Wasser, Wein und Maisstärke verrührt und einmal zum Aufkochen gebracht. Hernach kamen die Caquelons auf einen Rechaud zum heiss/kochend halten. Ein Schuss Kirschwasser gehört auch noch hinein, aber erst bei Tisch, damit alle sich von der Richtigkeit überzeugen konnten.

Mein Brot ist leider kein einziges mal in den Käse gefallen, also habe ich weder Stock- noch Peitschenhiebe bekommen und auch mit einem Gewicht an den Füssen wurde ich nicht in den See geworfen. So ein Glück aber auch. :-)
Oder: so ein Unglück aber auch, weil Heinz uns darüber aufklärte, dass ein verlorenes Stück Brot bedeutet, dass man seinen Tischnachbarn küssen müsste. Je nach Geschlecht des Verlierers würde dann kurzfristig über die Küssrichtung, ob linker oder rechter Nachbar entschieden. Ich hätte in jedem Fall also Vergnügen gehabt, denn rechts sass Peter und links der Heinz.

Heinz und Sylvia sind Schweizer Landsleute, wobei Heinz der einzige 100%ig Schweizer ist, da Sylvia wegen ihres Geburtsorts in Nordirland zusätzlich einen britischen Pass besitzt. Die beiden sind ganz herzige und offene Menschen, die uns sofort sympatisch waren.

Es war ein absolutes Vergnügen, diesen originellen und irren Abend in dieser Gesellschaft zu verbringen. Die Stimmung war ausgezeichnet und der Höhepunkt war, als Uwe über den 40. Geburtstag von Sylvia berichtete und bewies, dass er Teil der musikalischen Überraschung zu ihrer Feier war: er spielte (als Autodidakt!) eine riesige Tuba mit Namen "Elise". Die damals aufgenommene CD mit verschiedensten Liedern (Glenn Miller, Ghostbusters, Blues Brothers...) begleitete er auf dem Sofa sitzend mit prall geblähten Wangen! :-)

Zum Abschied hat uns Heinz noch nach unten begleitet. Er ist der Vermieter von Uwe und besitzt ein riesiges Fachwerkhaus mit 3 oder 4 Stockwerken (so ganz hat sich mir das nicht in der Dunkelheit erschlossen). Mit verständlichem Besitzerstolz hat er uns angeboten, uns auch seinen Wohnbereich (Wohnbereich? Das ist untertrieben! Dieses Haus ist ein Gebäude mit der tollsten und genialsten Einrichtung) gezeigt. Wir fühlen uns geadelt dadurch, dass ein Schweizer uns Zutritt zu seinem Reich gewährt hat (was angeblich erst nach langer Zeit oder meistens auch nie geschieht). Merci vielmals!

Wir hoffen, dass dieser Abend noch viele Fortsetzungen (ob bei Uwe/Heinz oder uns) erleben wird. Ich (und Peter wohl auch) sind nun höchst optimistisch, was ein gutes Auskommen und wunderbare Begegnungen mit den Schweizern angeht.

Und zum Schluss noch die Fotos, die uns diesen urigen Abend in prima Erinnerung erhalten helfen.

4 Kommentare:

Örn hat gesagt…

Täuscht das, oder schleichen sich mehr und mehr helvetismen bei Dir ein? Bald musst Du Dein Blog mit hochdeutschen Untertiteln versehen...

Und gerade heute las ich diese Meldung. Hmmm, wer hatte mir vor Jahren mal ganz begeistert das Buch gezeigt, aus dem diese Erläuterungen stammen, ja wer bloß?

Vella hat gesagt…

Ich fürchte, die Helvetismen kommen von ganz allein. Man passt sich ja doch im täglichen Umgang (Bank, Supermarkt, Kontakt mit Eingeborenen allgemein) schon an, um nicht allzu sehr anzuecken.

Ist die Schweiz also in deinen Augen ein Drogi-Land, wegen des Käses? Jetzt weiss ich auch, warum ich ihn so gern mag, ich fühl mich in der Tat immer gut nach einem Biss in ein Stück Appenzeller. :-)

Und ich weiss nicht, auf wen Du da anspielst.

Örn hat gesagt…

Die gute Frau hieß Bodzin, oder so ähnlich. Ist schon eine Weile her, vermutlich hat sie es selber schon längst verdrängt, jemals sowas gelesen zu haben :)

Vella hat gesagt…

Dann ist das über 10 Jahre her und somit längst verjährt. Ich übernehme doch keine Verantwortung mehr so sowas! :-)

Aber es freut mich, wenn auch ich zu deiner Bildung beigetragen haben sollte. :-)