19. Juni 2011

Formicula!

Vor einigen Tagen stand unsere Wohnung unter Belagerung! Das warme Wetter der letzten Wochen hatte zur Folge, dass derzeit eine regelrechte Plage schwärmender Ameisen über Zürich (zumindest aber unsere Wohnstätte betreffend) hinwegzog. Wir hatten das zweifelhafte Vergnügen gleich zweimal. Zuerst befielen die Ameisen das Fenster des Gästezimmers. Das ging noch relativ glimpflich vonstatten und wir konnten uns der Tiere mit Backpulver ziemlich schnell entledigen. Aber nur wenige Tage danach kam der nächste Schwung und diesmal waren es regelrechte Massen: Das Ziel der zweiten Welle war unser Küchenfenster und dort schienen dann auch größere Mengen Backpulvers zunächst nichts auszurichten. Man geht mit einem ziemlich kribbeligen Gefühl ins Bett, wenn man weiß, dass nur wenige Meter entfernt einige tausend Krabbeltiere die Fassade rauf- und runtermarschieren.

Mit professionellen Ameisenködern haben wir nun - hoffentlich - das Problem endgültig. Uns wäre eine Umsiedlung der Tiere zwar lieber gewesen, aber da sie sich im Fensterkasten eingenistet hatten, war das leider nicht möglich.

Wanderung im Emmental (12.06.2011)

Vor einer Woche waren wir im Appenzell, wo der gleichnamige Käse herkommt. Da ist es nur fair, dem ebenso bekannten Emmentaler die gleiche Ehre zu erweisen. Von Zürich aus erreicht man das Emmental mit dem Auto in einer guten Stunde. Wenn man sich in Richtung Bern hält, kann man es eigentlich nicht verfehlen.

Ausgangspunkt der Wanderung ist der Ort Heimiswil, ein lauschiges kleines Dorf mitten im Grünen. Wie schon im Appenzell gibt es auch in Heimiswil eine Schaukäserei, die aber nicht auf unserem Programm steht. Außerdem wissen wir nicht, ob die Käserei an einem Sonntag geöffnet hat.

Gleich hinter dem Dorf geht es in die grünen Hügel, wo die charakteristischen Emmentalhäuser stehen. Selten sieht man so urig-gemütlich wirkenden Behausungen. Die Häuser sind zumeist sehr großzügig dimensioniert, bestehen zum überwiegenden Teil aus Holz, das in angenehm hellen Tönen lasiert ist. Auffallend sind auch die großen und lang gezogenen Dächer. Die Besitzer geizen darüber hinaus nicht mit schönen Details wie Blumenkästen, bunten Fensterläden, Wandmalereien und Schnitzereien sowie allerlei Dekorationen. Nichts davon wirkt aufgesetzt oder kitschig, sondern einfach nur wunderschön. Zu den größeren Häusern gehören Zier- oder Nutzgärten, die das Herz eines jeden Hobbygärtners aufgehen lassen. Kein Zweifel, dass unendlich viel Liebe, Mühe und Sorgfalt in diese Gärten investiert wurde.

Somit ist es kein Wunder, dass sich in einer solchen Umgebung auch die Tiere sehr wohl fühlen. Neben den allgegenwärtigen Kühen, Schafen, Ziegen und Pferden treffen wir heute auch auf zahlreiche Schmetterlinge, die sich bereitwillig als Fotomodelle zur Verfügung stellen.

Neben Feldern, Viehweiden und Wäldern gibt es im Emmental auch zahlreiche Obstwiesen. Besonders die Kirschbäume sind um diese Jahreszeit eine wahre Augenweide. Von allen Ecken leuchten einem die halbreifen Kirschen entgegen. Der höchste Punkt unserer heutigen Wanderung liegt ziemlich genau auf der Hälfte der Strecke, das Lueg-Denkmal auf einem der größeren Hügel. Man merkt doch so langsam, dass wir uns an die Wanderungen gewöhnen. Der letzte Aufstieg vor dem Denkmal war ziemlich steil, aber wir haben ihn ohne große Mühe gemeistert. Und die wundervolle Aussicht von hier oben ist die Anstrengung allemal wert!

Nach einer kleinen Verschnaufpause wenden wir uns dem Mittagessen zu. Am Fuße des Hügels, auf dem das Lueg-Denkmal steht, gibt es den dazu passenden Landgasthof. Im Schatten großer Kastanienbäume genießen wir ein lecker-deftiges Mittagessen, das uns von einem humorvollen Kellner (Herr Glück) serviert wird.

Nach dem Essen geht es dann weiter in Richtung Rotenbaum. Die Strecke führt uns nun hauptsächlich durch schöne Wälder und vorbei an einem großen Pferde- und Ponyhof. Hier erleben wir unfreiwillig den spannendsten Moment unserer Wanderung. Die Route führt mitten über eine Pferdekoppel, auf der sich gerade mehrere Junghengste austoben. Für diese Rabauken sind wir natürlich eine willkommene Abwechslung und so kommen sie mehrfach im vollen Galopp auf uns zu, als wollten sie uns über den Haufen rennen. Aber keine Panik, es ist nichts passiert. Trotzdem waren wir froh, als wir die Koppel überquert hatten.
Eine halbe Stunde später konnte man bereits wieder die Kirche von Heimiswill sehen. Eine wirklich schöne Wanderung, die wir uneingeschränkt empfehlen können. Zum Ausklang des Tages fuhren wir noch über die Landstraße in Richtung Luzern und hatten einen grandiosen Blick auf einen wolkenverhangenen Pilatus.

Auch hier wieder die Fotos bei Picasa.

P.S. An diesem Tag ist der Geburtstag meiner Schwester Ulrike. Nochmal an dieser Stelle herzlichste Glückwünsche zum Geburtstag!!

Eine Hügelkette namens Pfannenstiel (29.05.2011)

Nachdem wir durch die Spaziergänge in und um Zürich sowie den Wanderausflug ins Appenzeller Land auf den Geschmack gekommen waren, machten wir uns am 29.05. auf eigene Faust los. Unser schlaues Wanderbuch empfielt in der Nähe von Zürich eine leichte Wanderung, die über eine Hügelkette mit dem schnuckeligen Namen "Pfannenstiel" führt.

Ausgangspunkt für die Wanderung ist der Ort Forch, den man vom Bahnhof Zürich-Stadelhofen aus mit der sogenannten Forchbahn - einer rot-weiß lackierten Tram, - erreichen kann. Schon bei der Anfahrt bekamen wir einiges zu sehen. Forch liegt, verglichen mit Zürich-Innenstadt, ein gutes Stück höher gelegen und so klettert die Forchbahn beständig 20 Minuten lang die Hügel empor. Es ist immer wieder erstaunlich: man fährt in der Innenstadt los und nur wenig später ist man inmitten schönster Natur.

Das Wetter ist heute für eine lange Wanderung schon fast zu heiß, aber die Pfannenstiel-Route führt die Hälfte der Strecke durch schöne Wälder und dort kann man es auch bei großer Hitze gut aushalten. Vom Bahnhof aus geht es durch den Ort Forch und dann in den Wald hinein. Die ersten fünf Kilometer führen bergauf und man kommt, zwischen den Waldabschnitten, auch immer wieder an vereinzelten Höfen vorbei, wo Kühe, Schafe und Ziegen im Schatten liegen. Wo immer es Tiere hat, hört man das typische Bimmeln der Glocken, die die Vierbeiner hier um den Hals haben. Anderswo würde das vielleicht kitschig wirken, aber hier ist es einfach nur schön.

Der erste gemeisterte Anstieg wird durch einen wunderschönen Blick auf den Greifensee belohnt, den wir uns bei einer Fahrradtour auch schon aus der Nähe angesehen haben. Kurz vor dem höchsten Punkt des Pfannenstiels steht ein stählerner Aussichtsturm, der sog. Bachtelturm. Der Aufstieg ist etwas anstrengend und man sollte ein bisschen schwindelfrei sein, aber von oben hat man einen fabelhaften Rundblick über den Züri(ch)see und die sich dahinter erstreckenden Berggipfel. Wirklich erstaunlich, selbst Anfang Juni hat es dort oben noch immer reichlich Schnee.

Nun wird es erstmal Zeit für ein Mittagessen. Das Restaurant Hohenwacht, das nur wenige hundert Meter hinter dem Aussichtsturm liegt, bietet eine leckere Auswahl an deftigen, gutbürgerlichen Gerichten. Schon der Vorspeisensalat mit dem köstlichen Dressing war eine Gaumenfreude und auch der Hauptgang ließ nichts zu wünschen übrig.

Nun laufen wir eine Weile bergab bis zum Ort Toggwil, dem - mit 643 Metern über dem Meer - tiefsten Punkt der Wanderung. Das Restaurant lag auf über 800 Metern. So schön es ist, eine Weile entspannt bergab zu gehen, so anstrengend ist es, wenn es dann wieder drei Kilometer ausschließlich bergauf geht. Genau das stand uns nun bevor, entgegen der Angabe im Wanderführer. Vorbei an mehreren gepflegten Pferdehöfen kamen wir wieder in den Wald und gerieten schon ziemlich ins Schnaufen bei den teilweise sehr steilen Anstiegen. Wenn man dann die finale Kuppe erreicht hat und weiß, dass es nun wieder für geraume Zeit bergab geht, ist man doch ziemlich erleichtert.

Als kleine Premiere konnte Peter heute seinen ersten Fuchs in freier Wildbahn erleben. Offenbar hatten wir ihn bei der Mäusejagd gestört und er verzog sich sofort in den Wald. Wildlebende Füchse kann man in Deutschland auch nicht an jeder Ecke finden.

Nach insgesamt 16 Kilometern hatten wir unseren Ausgangspunkt Forch wieder erreicht und waren ziemlich froh darüber. Bei so ungeübten Wanderern wie uns fühlen sich die Füße nach so einer Tour doppelt so groß an. Mit der Forchbahn ging es zurück zum Bahnhof Stadelhofen, wo wir uns mit einem sehr köstlichen Softeis belohnten.

Hier die Fotos bei Picasa.

Alp(traum)amare am 15.05.2011

(Eine kleine Anmerkung vorweg für gelangweilte Juristen unter den Lesern: die nachfolgenden Ausführungen geben die persönlichen und subjektiven Erfahrungen von zwei Privatpersonen für einen Zeitraum von ca. drei Stunden wieder, sind also in keiner Weise repräsentativ und erheben auch keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.)

Wenn man einen Tag in einem Erlebnisbad verbringt, so verspricht man sich in erster Linie Vergnügen davon. Besonders viel Spaß hatten wir am 15. Mai allerdings nicht, als wir einem der größten Erlebnisbäder in der Umgebung von Zürich einen Besuch abstatteten: dem Alpamare in Pfäffikon.

Schon die Anfahrt war ein unfreiwillig-unangenehmes Abenteuer. Mitten auf der Autobahn im schönsten Regen bockte auf einmal unser Scheibenwischer! Es ist überhaupt nicht lustig, wenn man auf der Autobahn auf einmal so gut wie nichts mehr sehen kann. Mit Müh und Not kamen wir bis zur nächsten Tankstelle, wo wir uns die Sache mal ansahen, aber natürlich konnten wir nichts finden. Mit ein bisschen manueller Ermutigung brachten wir das Ding aber soweit wieder in Gang, dass es alle 30-45 Sekunden einmal die Scheibe wischte. Während der nächsten Regenpause schafften wir es dann bis zum Alpamare und vertagten die Lösung des Problems auf den Zeitpunkt der Heimfahrt.

Nun folgte, Schlag auf Schlag, eine Ernüchterung auf die nächste. Über einen Aufzug gelangt man vom Parkplatz zum Kassenbereich des Schwimmbads. Oben angekommen wären wir am liebsten sofort wieder umgekehrt. Wir konnten kaum aus dem Aufzug raus, so rappelvoll war es hier. Das Kassenpersonal war hoffnungslos überfordert und darüber hinaus waren gerade mal zwei Kassen geöffnet. So verbrachten wir die ersten 25 Minuten damit, vor der Kasse Schlange zu stehen und uns zu ärgern. Hätten wir uns nicht schon vorab informiert, so wäre der Eintrittspreis sicher der nächste Schock gewesen: 42 Franken pro Person (umgerechnet über 30 Euro). Und wir reden hier nicht von einer Tageskarte, sondern von gerade mal vier Stunden! Aber gut, für ein rundum gelungenes Badeerlebnis wäre das für Schweizer Verhältnisse sicher ein angemessener Preis. Leider sollte es anders kommen.

Im Bad selbst folgte dann gleich der nächste Schreck. Sämtliche Schwimmbecken waren gerammelt voll mit Menschen. An Schwimmen war überhaupt nicht zu denken, weil man nicht einmal Platz für zwei Schwimmzüge gehabt hätte. Das Alpamare bietet einfach nicht ausreichend Becken, als dass sich viele Besucher darin gut verteilen könnten. Abgesehen davon verfügt das Alpamare nicht mal über ein 25- oder gar 50-Meter Becken. Solche Menschenmassen produzieren in einer Schwimmhalle natürlich auch einen entsprechenden Lärm. Kurz gesagt, es war ziemlich unangenehm.

Wir stürzten uns dennoch ins Getümmel und probierten nacheinander das Wellenbad, das Sprudelbad, das Strömungsbad und das Jod-Sole-Bad aus, dessen bräunlich-gelbe Farbe zu geschmacklosen Spekulationen einlädt. Alle Becken hatten eins gemeinsam: sie waren nicht besonders sauber. So oft wie im Alpamare hatten wir noch nirgends sonst irgendwelche fremden Haare an den Fingern oder im Gesicht und im Wasser trieben schaurig viele Schwebeteilchen. Und als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so befand sich das Bad selbst in einem deprimierend schlechten Zustand. In den Becken und auf dem Boden waren an vielen Stellen die Mosaikfliesen abgeplatzt und die scharfen Kanten und Fliesenkleberreste waren wie geschaffen dafür, sich die Füße zu verletzen. Auch Rost und Patina konnte man ein diversen Stellen finden. Von einem Bad, das einen so hohen Eintrittspreis verlangt, darf man einen besseren Zustand erwarten, oder?

Eins muss man bei Alpamare einfach vorab wissen: es ist in erster Linie für Freunde von Wasserrutschen gedacht. Die insgesamt zehn Rutschen machen sicher viel Spaß, wenn das Bad nicht so überfüllt ist, aber wir hatten einfach keine Lust, über eine halbe Stunde anzustehen, um einmal rutschen zu können. Und die übrigen Bäder und Einrichtungen können für sich gesehen einfach nicht überzeugen, nicht zuletzt wegen der mangelhaften Hygiene und dem renovierungsbedürftigen Zustand.

Auf der Haben-Seite bietet das Alpamare wenigstens einen schönen Blick auf den Zürichsee und man kann man den Besuch an nicht ganz so vollen und regnerischen Tagen sicher auch genießen, aber für uns ist klar, dass uns das Alpamare so schnell nicht wiedersehen wird. Zum Glück herrscht kein Mangel an Schwimmbädern in und um Zürich. Ein Erfolgserlebnis hatten wir dann aber doch noch: wie durch Magie funktionierte bei der Rückfahrt unser Scheibenwischer wieder. Rätsel der Technik.