15. November 2006

Kurztrip nach London

Wie schon am 5.11.06 angekündigt, ging es um das St. Martins-Wochenende nach London. Alles verlief reibungslos, aber das Gefühl einer Sardine in einer recht beengten Büchse (London tube) am Freitag morgen muss ich nicht wirklich haben. Der Begriff "unter Schutzatmosphäre verpackt" bekam in der überfüllten U-Bahn eine ganz neue Bedeutung für mich.

Ausserdem ist es um 7.45 Uhr noch definitiv zu früh, um in der Innenstadt herumzulaufen, deshalb haben wir uns am Oxford Circus an die Luft gewagt und das nächste Starbucks aufgesucht. Beim Weg dorthin haben wir diesen Tempel entdeckt: mit Mühe konnte mich Peter von religiösen Handlungen abhalten, aber die Verzückung blieb eine Weile.

Bei Starbucks habe ich (mein Herz blieb ob der verlangten Preise stehen - aber mein Mann meinte, wir sollen nicht kleckern -) den Fehler gemacht, der Bedienung die Beimischung eines Sirups zu gestatten. Gingerbread Latte klang eigentlich sehr gut, nur die Menge des Aromas hat doch einen Overkill bedeutet. Egal, Versuch macht kluch.

Nachdem wir dann die Zeit bis zum Bezug unseres Zimmers (eine private Gelegenheit zum Ausruhen und Schuhe ausziehen kam uns extrem verlockend vor) erreicht hatten, ging es mit einer nicht minder proppigen U-Bahn die Victoria Line gen Haltestelle Pimlico weiter. Von dort aus war es nur ein kurzer Weg bis zum City Inn Hotel. Ab ins hübsche Zimmer, Schuhe aus und "Ahhhh - auf's Bett". Die Aufstehzeit von 2.45 Uhr machte sich dann doch bemerkbar, auch das inzwischen eingesetzte Hungergefühl. Aber kein Problem, im Hotelpaket war ein Abendessen enthalten, das wir aus verschiedenen Gründen gegen ein Mittagessen eingetauscht haben.

Die Speisenfolge war doch schon gehobenes Niveau: Suppe mit geräuchertem Kabeljau und scharfer Senf-Sahne. Mariniertes Rindfleisch mit Lauch-Kartoffelbrei und krossen Baby-Karotten. Als Nachtisch Valrhona Schokoladen-Tarte oder Ahornsirup-Käsekuchen. Vom Geschmack her variierte es von "Yummy" bis "Aha...".

So gestärkt haben wir uns nochmal in die Innenstadt gewagt, um in verschiedenen Läden zu stöbern. Kaufenswertes fiel mir da nicht wirklich in die Hände - ich bin eher der Beobachter-Typ, der ewig z.B. die fremdartigen Auslagen in der Delikatessen-Abteilung von Marks & Spencer bestaunen kann: welche Vielfalt beim Christmas Pudding zur Verfügung steht oder jede noch so unbekannte britische TV-Serie auf DVD zu haben ist.

Gegen halb sechs waren wir dann wieder im Hotel und haben uns für den Abend ein weiteres Bonbon gegönnt: mit einem Londoner Taxi zum Theater. War auch relativ billig (und beim einsetzenden Regen eh angenehmer), für schlappe 7-8 Pfund (inkl. Trinkgeld) wurden wir direkt vor der Tür abgesetzt. Das Theater selbst ist extrem schnuckelig, ein alter viktorianischer Bau mit viel Schnörkel und Stuck an der Decke (der Kronleuchter ist lt. Mr. Artistic Director nur ein "fraud" - aber trotzdem nett anzuschaun). Die Sitze haben von der Breite an Flugzeug-Plätze und uraltes Kinofeeling erinnert - egal, hauptsache da und nah an der Bühne.

Das Stück "A Moon for the Misbegotten" selbst war absolut wundervoll. Die 5 Schauspieler (wovon 2 nur kurze Nebenrollen hatten) waren überzeugend und sympatisch. Im ersten Akt überwog noch der humorige Anteil mit den Frotzeleien von Vater und Tochter, die Verlade des snobistischen reichen Nachbarn, der mit Schimpf und Gelächter vom Hof gejagt wurde (was zu spontanem Szenenapplaus führte). Danach allerdings wurde das Spiel immer beladener (sic!) und emotionaler, ein Wechselbad der Gefühle, das sich bis zum fast unterträglichen Höhepunkt steigerte. Mich hat es mitgerissen, irgendwann liefen die Tränen wie von selbst - was mir keineswegs peinlich ist. Peinlich war eher der Typ, der neben Peter gesessen hatte: vom Äußeren erinnerte er an Spence Olchin und war offenbar vom Stück und Spiellänge (3 Stunden mit 15 Min Pause) an manchen Stellen überfordert - so oft wie er wohl vor Langeweile oder Desinteresse geseufzt hat.

Das Beste am Stück war natürlich das Mitwirken und die unvorstellbare Nähe zu Kevin Spacey. Ohnehin schon von mir wegen seiner Filmrollen verehrt (die meisten seiner Filme würde ich ohne zu zögern mit auf eine einsame Insel nehmen, aber nicht alle!) war seine meisterhafte Schauspieler-Fähigkeit nicht zu übersehen und -hören. Ich ziehe den Hut vor der Leistung, an mehreren Abenden in der Woche über mehrere Monate das gleiche emotionale Spiel (wahrscheinlich ohne Nachlassen der Qualität) darzustellen. Ausserdem finde ich ihn als Mann ziemlich knuffig.

Nicht nehmen liessen Peter und ich es uns dann nach der Vorstellung (erst ein paar Mal durchgeatmet), am Bühneneingang ein Autogramm zu erbitten. Sehr freundlich war es angesichts des jetzt eingesetzten Regens, dass wir nicht lange warten mussten.

Ein bisschen müde und knapp angebunden war Mr Spacey leider - dafür aber auch nur ca. 40 cm von mir entfernt. :-)

Alles hiernach ist eher unspektakulär: Rückfahrt in einem Taxi, das glücklicherweise direkt vor unseren Füßen 2 andere Passagiere ausspieh, eine gemütliche Nacht im Hotel, Frühstück und Rückreise in - aahhhhh - leeren U-Bahnzügen. Auch den Stansted Express haben wir 1 Minute vor Abfahrt noch erwischt, so dass wir dann ohne größere Wartezeiten zum Flughafen kamen. Als Mittags-Snack gab's prima Sandwiches bei "Pret-a-manger" (Chicken & Avocado für mich, Peter hatte Chicken, Bacon and Tomato, *slurp*) und dann noch die restlichen Münzen für Süßkram vertickt (After eight Orange, nicht übel). Der Rückflug war etwas holperig, aber mit verkürzter Flugzeit und Landebahn (recht spät aufgesetzt hat der Herr Pilot oder war es eine Übung, den Passagieren die Notwendigkeit der Sicherheitsgurte zu demonstrieren?). Um knapp 20 Uhr Ortszeit waren wir wieder daheim und wurden freundlich von einer schwarzen Katze begrüßt.

Könnt ich öfter haben. :-)

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