19. Juni 2011

Alp(traum)amare am 15.05.2011

(Eine kleine Anmerkung vorweg für gelangweilte Juristen unter den Lesern: die nachfolgenden Ausführungen geben die persönlichen und subjektiven Erfahrungen von zwei Privatpersonen für einen Zeitraum von ca. drei Stunden wieder, sind also in keiner Weise repräsentativ und erheben auch keinen Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.)

Wenn man einen Tag in einem Erlebnisbad verbringt, so verspricht man sich in erster Linie Vergnügen davon. Besonders viel Spaß hatten wir am 15. Mai allerdings nicht, als wir einem der größten Erlebnisbäder in der Umgebung von Zürich einen Besuch abstatteten: dem Alpamare in Pfäffikon.

Schon die Anfahrt war ein unfreiwillig-unangenehmes Abenteuer. Mitten auf der Autobahn im schönsten Regen bockte auf einmal unser Scheibenwischer! Es ist überhaupt nicht lustig, wenn man auf der Autobahn auf einmal so gut wie nichts mehr sehen kann. Mit Müh und Not kamen wir bis zur nächsten Tankstelle, wo wir uns die Sache mal ansahen, aber natürlich konnten wir nichts finden. Mit ein bisschen manueller Ermutigung brachten wir das Ding aber soweit wieder in Gang, dass es alle 30-45 Sekunden einmal die Scheibe wischte. Während der nächsten Regenpause schafften wir es dann bis zum Alpamare und vertagten die Lösung des Problems auf den Zeitpunkt der Heimfahrt.

Nun folgte, Schlag auf Schlag, eine Ernüchterung auf die nächste. Über einen Aufzug gelangt man vom Parkplatz zum Kassenbereich des Schwimmbads. Oben angekommen wären wir am liebsten sofort wieder umgekehrt. Wir konnten kaum aus dem Aufzug raus, so rappelvoll war es hier. Das Kassenpersonal war hoffnungslos überfordert und darüber hinaus waren gerade mal zwei Kassen geöffnet. So verbrachten wir die ersten 25 Minuten damit, vor der Kasse Schlange zu stehen und uns zu ärgern. Hätten wir uns nicht schon vorab informiert, so wäre der Eintrittspreis sicher der nächste Schock gewesen: 42 Franken pro Person (umgerechnet über 30 Euro). Und wir reden hier nicht von einer Tageskarte, sondern von gerade mal vier Stunden! Aber gut, für ein rundum gelungenes Badeerlebnis wäre das für Schweizer Verhältnisse sicher ein angemessener Preis. Leider sollte es anders kommen.

Im Bad selbst folgte dann gleich der nächste Schreck. Sämtliche Schwimmbecken waren gerammelt voll mit Menschen. An Schwimmen war überhaupt nicht zu denken, weil man nicht einmal Platz für zwei Schwimmzüge gehabt hätte. Das Alpamare bietet einfach nicht ausreichend Becken, als dass sich viele Besucher darin gut verteilen könnten. Abgesehen davon verfügt das Alpamare nicht mal über ein 25- oder gar 50-Meter Becken. Solche Menschenmassen produzieren in einer Schwimmhalle natürlich auch einen entsprechenden Lärm. Kurz gesagt, es war ziemlich unangenehm.

Wir stürzten uns dennoch ins Getümmel und probierten nacheinander das Wellenbad, das Sprudelbad, das Strömungsbad und das Jod-Sole-Bad aus, dessen bräunlich-gelbe Farbe zu geschmacklosen Spekulationen einlädt. Alle Becken hatten eins gemeinsam: sie waren nicht besonders sauber. So oft wie im Alpamare hatten wir noch nirgends sonst irgendwelche fremden Haare an den Fingern oder im Gesicht und im Wasser trieben schaurig viele Schwebeteilchen. Und als wenn das nicht schon schlimm genug gewesen wäre, so befand sich das Bad selbst in einem deprimierend schlechten Zustand. In den Becken und auf dem Boden waren an vielen Stellen die Mosaikfliesen abgeplatzt und die scharfen Kanten und Fliesenkleberreste waren wie geschaffen dafür, sich die Füße zu verletzen. Auch Rost und Patina konnte man ein diversen Stellen finden. Von einem Bad, das einen so hohen Eintrittspreis verlangt, darf man einen besseren Zustand erwarten, oder?

Eins muss man bei Alpamare einfach vorab wissen: es ist in erster Linie für Freunde von Wasserrutschen gedacht. Die insgesamt zehn Rutschen machen sicher viel Spaß, wenn das Bad nicht so überfüllt ist, aber wir hatten einfach keine Lust, über eine halbe Stunde anzustehen, um einmal rutschen zu können. Und die übrigen Bäder und Einrichtungen können für sich gesehen einfach nicht überzeugen, nicht zuletzt wegen der mangelhaften Hygiene und dem renovierungsbedürftigen Zustand.

Auf der Haben-Seite bietet das Alpamare wenigstens einen schönen Blick auf den Zürichsee und man kann man den Besuch an nicht ganz so vollen und regnerischen Tagen sicher auch genießen, aber für uns ist klar, dass uns das Alpamare so schnell nicht wiedersehen wird. Zum Glück herrscht kein Mangel an Schwimmbädern in und um Zürich. Ein Erfolgserlebnis hatten wir dann aber doch noch: wie durch Magie funktionierte bei der Rückfahrt unser Scheibenwischer wieder. Rätsel der Technik.

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