15. Oktober 2012

Eine Bootsfahrt, die ist lustig... (23.09.2012)

Letztes Jahr hat unser guter Kumpel Uwe seinen Motorbootführerschein gemacht und uns für heute zu einer kleinen Spritztour auf dem Zürisee eingeladen. Für uns ist das eine Premiere, denn wir sind zwar schon mit größeren Booten und Schiffen unterwegs gewesen, aber noch nie mit einem dieser kleinen Flitzer. Wir sind schon sehr gespannt, wie sich das anfühlt.

Gemeinsamer Treffpunkt für unseren Ausflug ist das zum Restaurant umgebaute Boot MS Glärnisch, das direkt am Seeplatz von Wädenswil liegt. Uwe ist hier schon ein alter Bekannter und bezeichnet das Boot gern als sein zweites Wohnzimmer, was man gut verstehen kann. Das Bootsrestaurant bietet eine schöne Aussicht auf den See, es sind immer ein paar nette Bekannte da, es gibt kalte und warme Speisen und natürlich darf auch eine gut sortierte Bar mit einem gemütlichen Tresen nicht fehlen.

Aber wir sind ja heute nicht zum picheln und plaudern hier und so führt uns Uwe nach ein paar Begrüßungsknuddels gleich zum Motorboot, das praktischerweise direkt hinterm Restaurant angebunden ist. Ganz schön schnittig, das kleine Schmuckstück, der bringt es bestimmt auf ein ordentliches Tempo. Aber erstmal lassen wir es gemütlich angehen und tuckern in gemächlichem Tempo in Richtung Osten.

Uwe hat ein richtig tolles Programm für uns zusammengestellt mit insgesamt fünf Stationen, allesamt Neuland für uns. Los geht es mit der gerade mal 400 Meter kleinen Insel Lützelau, die zum Kanton Schwyz gehört. Hier kommt man tatsächlich nur hin, wenn man ein eigenes Boot besitzt. Ich darf mich gleich mal beim Anlegen nützlich machen, dafür muss ich mit dem Seil vom Bug auf den Steg springen und das Boot in Position ziehen. Das klingt aber viel komplizierter, als es tatsächlich ist. Vom Steg aus geht es über eine Wiese zum einzigen Gebäude auf der Insel, einer netten kleinen Pinte mit Tischen, Holzbänken und einem Strandkorb. Hier nehmen wir die erste Erfrischung ein und genießen den wundervollen Blick auf den See, während uns Uwe erklärt, dass es wegen der scharfkantigen Seemuscheln keine gute Idee ist, hier barfuss ins Wasser zu gehen.

Mit dem Wetter haben wir heute richtig großes Glück. Der Spätsommer zeigt sich nochmal von seiner angenehmsten Seite und selbst unsere Fleecejacken sind die meiste Zeit über zu warm. Besser so als anders herum.

Die zweite Station ist der Ort Rapperswil, der wiederum zum Kanton St. Gallen gehört. Schon von weitem kann man das imposante Schloss von Rapperswil bewundern und nachdem Uwe hört, dass wir noch niemals dort waren, entscheidet er kurzerhand, dass wir einen kleinen Stadtbummel einlegen. Zum zweiten Mal heute darf ich Uwe beim Anlegen assistieren. Rapperswil hat einen vergleichsweise großen Hafen, gemessen an der Größe des Ortes selbst. Und praktischerweise ist man vom Bootssteg aus sofort im Ortskern. Heute scheint auch irgendein Volksfest zu sein, überall stehen Futterhäuschen und kleine Karussels sowie Stände mit allerlei Souvenirs. Wir arbeiten uns erst einmal durch die Menschenmassen hinauf zum Schloss, hier ist es schon deutlich weniger voll. Der Ort und das Schloss sind echt toll. Uwe erzählt, dass Rapperswil unter anderem für seine tollen Rosengärten berühmt ist. Von oben hat man einen sagenhaften Blick über den Zürisee und den ganzen Ort. Der Abstecher allein wäre die heutige Tour schon wert gewesen. Auf dem Rückweg können wir uns in einem der Rosengärten des Schlosses selbst davon überzeugen, dass Uwe nicht übertrieben hat. Trotz der größtenteils schon abgeblühten Sträucher finden sich doch noch einige wunderschöne Exemplare. Und besonders eine davon verströmt einen Duft, als wenn man die Blüte künstlich parfümiert hätte. So ein intensiv-rundes Aroma mit Zitrusnoten habe ich bei einer Rose noch nie gerochen. Zurück im Ort gönnen wir uns noch ein leckeres Softeis, dann geht es weiter zur nächsten Station.

Es geht weiter nach Osten, erst unter der Seedammstrasse hindurch und dann langsam durch seichtes Gewässer. Hier dürfen wir nur sehr langsam fahren. Uwe erklärt uns, dass das Gewässer rund um Rapperswil so flach ist, dass man bei nur wenig schnellerer Fahrt sofort mit der Schraube auf den Seeboden käme, was natürlich nicht so ratsam ist. Nachdem wir das flache Stück passiert haben, können wir aber wieder kräftig aufdrehen. Jetzt gibt Uwe mal so richtig Stoff und verkündet wenig später, dass wir 80 Sachen draufhaben. Das merkt man auch. Obwohl der See eigentlich spiegelglatt erscheint, merken wir bei dieser Geschwindigkeit jede noch so kleine Unebenheit wie einen Hammerschlag. Aus diesem Grund fährt Uwe auch immer im 90°-Winkel auf die Bugwellen anderer Boote, um die Schläge so abzudämpfen. Für ein paar Minuten darf ich auch mal das Steuer übernehmen, es macht einen Heidenspaß. Da kann man verstehen, dass so viele Leute ihr eigenes Bootchen haben wollen.

Diesmal legen wir beim Flughafen Lachen an, Uwe hat schon mehrfach heute vom grandiosen Kaffee (mit Schuss!) geschwärmt, der dort serviert wird. Das Flughafencafé befindet sich unmittelbar neben der Start- und Landebahn und wir können während der Kaffeepause diverse Starts und Landungen beobachten. Hier kann man auch Rundflüge buchen, das merken wir uns auf jeden Fall für einen späteren Ausflug. Highlight des Flugbetriebs ist der Start eines alten Doppeldeckers. Ich weiß nicht, ob ich mich in so eine Klamottenkiste trauen würde. Uwes Lieblingskaffee ist übrigens ein klassischer Irish Coffee.

Ab jetzt bewegen wir uns wieder in westlicher Richtung, allerdings in der südlichen Hälfte des Sees. Die vierte Station führt uns zum Hafen von Hurden. Erst ist uns nicht ganz klar, warum Uwe diesen kleinen Schlenker macht, aber dann bekommen wir die Villen und Anwesen zu sehen, die hier am Seeufer stehen. Hier kann man - selbst nach Schweizer Standards - sehen, wie Häuser, Gärten und Boote reicher Leute aussehen. Wir kommen die nächste halbe Stunde aus dem Staunen nicht mehr heraus. Neben modernen Villen mit viel Glas, Granit und Stahl sind auch klassische Häuser vertreten sowie italienische und griechische Einschläge. Die Gartenanlagen sind bis auf den letzten Grashalm getrimmt und mit den passenden Assecoires bestückt. Und natürlich fehlt fast nirgends der hauseigene Anlegesteg. Für die etwas größeren Boote gibt es mehrere Bootsgaragen. Und was für Apparate hier stehen! Einige davon sind hundertprozentig hochseetauglich, haben mehrere Kabinen und könnten problemlos 20-30 Passagiere aufnehmen. Wieso haben manche Leute solche Yachten am Zürichsee stehen?

Angemessen beeindruckt geht es dann zu unserer letzten Station für heute, die uns schon fast wieder zum Ausgangspunkt unseres Ausflugs zurückführt. Mit der Insel Lützelau haben wir heute begonnen, mit der etwas größeren Schwesterinsel Ufenau beenden wir die Runde. Einmal noch absolvieren wir das Anlegemanöver - inzwischen bin ich schon richtig routiniert - und dann laufen wir gemütlich zum einzigen Restaurant der Insel. Begrüßt werden wir dabei von einer Herde Kälber, die nach Uwes Ansicht lediglich für das richtige Alm-Feeling auf die Insel gebracht wurden. Neben den Kälbern gibt es auch noch zwei Esel. Nachdem wir uns heute überwiegend flüssig ernährt haben, ist es jetzt an der Zeit für eine etwas handfestere Mahlzeit. Es gibt Käse-Wurst-Salat und Fischknusperli mit Remouladensoße, dazu frisches Brot und ein Panache, das man in Deutschland unter der Bezeichnung Radler oder Alster kennt. Die gute Seeluft hat uns ordentlich Appetit gemacht und so schmeckt es gleich doppelt gut.

Schweren Herzens geht es nun zurück zum Boot, ist es wirklich schon vorbei? Es dämmert schon ein wenig, der Wind hat aufgefrischt und in der letzten Stunde sind auch die ersten dichteren Wolken aufgezogen. Damit wir das Vergnügen noch ein wenig länger genießen können, bietet uns Uwe an, uns bis zum Bahnhof nach Horgen zu fahren. Das Angebot nehmen wir liebendgerne an. Und so geht es noch einmal mit Vollgas den See entlang. Über uns hängt eine atemberaubend schöne Wolke in Gestalt eines Greifvogels, die in allen Regenbogenfarben schimmert. Das passende Finale für einen perfekten Tag.

Am Bahnhof Horgen steigen wir aus, natürlich nicht, bevor wir Uwe nochmal kräftig für diesen wundervollen Tag gedrückt haben! Das war mit Sicherheit einer der schönsten Tage, die wir hier in den vergangenen 23 Monaten erlebt haben - und wir haben schon so einiges erlebt. Es gibt eigentlich nur eine einzige Kleinigkeit, die mich an diesem Tag stört: ICH ESEL HABE MEINE KAMERA ZUHAUSE VERGESSEN.

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